Wie viele Akustikpaneele braucht ein Großraumbüro? Rechenbeispiel für 100 Quadratmeter

Die kurze Antwort: Ein Großraumbüro mit 100 m² Fläche und 3 m Raumhöhe braucht nach der Faustformel rund 30 m² Akustikpaneele. Rechnet man dasselbe Büro nach DIN 18041 (Raumgruppe B4) durch, sind es etwa 38 m², verteilt auf rund zwei Drittel Decke und ein Drittel Wand – zum Beispiel 8 Deckenpaneele mit 2480 × 1250 mm plus 18 Wandpaneele mit 1240 × 625 mm. In unseren Projekten lag die verbaute Fläche zwischen rund 8 und 25 m² bei Raumgrößen von rund 25 bis 42 m². Unten rechnen wir Schritt für Schritt durch, woher die Zahlen kommen und wann du mehr oder weniger brauchst.
Warum die Faustformel nur der Anfang ist
Die Faustformel, die du auf unserer Startseite und in vielen Ratgebern findest, lautet: Raumlänge × Raumtiefe × Raumhöhe ÷ 10 = benötigte Quadratmeter Akustikpaneele. Sie ist bewusst einfach und für eine erste Budgetplanung gut geeignet. Sie setzt aber stillschweigend einiges voraus: ein Büro mit Teppichboden und normaler Möblierung, Paneele der Absorberklasse A und einen Zielwert um 0,8 Sekunden Nachhallzeit. Trifft eine dieser Annahmen nicht zu – Hartboden, Glasfassade, hohe Decke, strenger Zielwert – weicht das Ergebnis ab.
Wer bestellen will, sollte deshalb nachrechnen. Das geht mit der Sabine-Formel in vier Schritten, und genau das tun wir jetzt an einem Büro, wie wir es in Projekten ständig sehen.
Das Beispielbüro: 100 m², zwölf Arbeitsplätze, 3 m Raumhöhe
Unser Beispiel ist ein typischer Open Space in einem Bürogebäude der letzten 20 Jahre:
- Maße: 12,5 m lang, 8 m tief, 3 m hoch – also 100 m² Grundfläche und 300 m³ Raumvolumen
- Decke: Sichtbeton, keine Akustikdecke
- Boden: Teppichboden (Schlinge oder Nadelvlies) auf Estrich
- Wände: eine Längsseite komplett verglast (37,5 m²), die übrigen drei Wände Gipskarton oder Putz
- Nutzung: zwölf Arbeitsplätze in drei Vierergruppen, gemischte Tätigkeit mit viel Telefonie und Videocalls, eine kleine Teeküche im Raum
Nach der Faustformel ergibt sich: 12,5 × 8 × 3 ÷ 10 = 30 m² Paneelfläche. Diese Zahl behalten wir als Vergleichswert im Hinterkopf.
Schritt 1: Welcher Zielwert gilt nach DIN 18041 und ASR A3.7?
Die DIN 18041 ordnet Großraumbüros der Raumgruppe B, Nutzungsart B4 zu – „Räume mit Bedarf an Lärmminderung und Raumkomfort“. Anders als für Unterrichts- oder Konferenzräume gibt sie hier keine feste Nachhallzeit vor, sondern ein Mindestverhältnis von äquivalenter Absorptionsfläche A zu Raumvolumen V. Für B4 liegt es bei Raumhöhen bis 2,5 m bei A/V ≥ 0,25 m²/m³ und sinkt mit der Höhe leicht; bei 3 m Raumhöhe ergibt die Formel der Norm rund 0,23 m²/m³.
Für unser Büro heißt das: A ≥ 0,23 × 300 m³ = rund 69 m² äquivalente Absorptionsfläche. Über die Sabine-Formel T = 0,163 × V ÷ A entspricht das einer Nachhallzeit von 0,163 × 300 ÷ 69 ≈ 0,7 Sekunden.
Die ASR A3.7 „Lärm“, die für Arbeitgeber die Arbeitsstättenverordnung konkretisiert, nennt für Büros eine Nachhallzeit von höchstens 0,8 Sekunden. Dafür genügen 0,163 × 300 ÷ 0,8 = rund 61 m² Absorptionsfläche. Wir rechnen mit beiden Zielwerten weiter – 0,8 s als Pflicht, 0,7 s als Kür. Was die beiden Regelwerke im Detail fordern und wie verbindlich sie sind, erklärt der Beitrag Nachhallzeit im Büro: DIN 18041 & ASR A3.7.
Schritt 2: Wie viel Absorption ist schon im Raum?
Kein Raum startet bei null. Teppich, Möbel und nicht zuletzt die Menschen im Raum absorbieren Schall. Jede Fläche bekommt einen Schallabsorptionsgrad α (gemittelt über die Oktavbänder 250 bis 2000 Hz) und wird mit ihrer Größe multipliziert.
Der Raum bringt also rund 35 m² äquivalente Absorptionsfläche mit – fast ausschließlich durch den Teppich und die Personen. Die Nachhallzeit im Ist-Zustand beträgt 0,163 × 300 ÷ 35 ≈ 1,4 Sekunden. Das ist der Zustand, den du aus solchen Büros kennst: Jedes Telefonat trägt durch den Raum, und sobald zwei Gruppen gleichzeitig sprechen, kippt der Pegel. Läge statt Teppich Parkett oder Designboden, wären es nur etwa 20 m² Bestandsabsorption und rund 2,4 Sekunden Nachhall – das erklärt, warum dieselbe Bürofläche mit Hartboden deutlich mehr Paneele braucht.
Schritt 3: Wie viel Absorberfläche fehlt – und wie viele Paneele sind das?
Jetzt ziehen wir den Bestand vom Zielwert ab und teilen durch den Schallabsorptionsgrad der Paneele. Alle Quiet Please Absorber der Core Collection erreichen αw 0,9 (Absorberklasse A) – ein Quadratmeter Paneel liefert also 0,9 m² Absorptionsfläche.
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Für die ASR A3.7 mit 0,8 Sekunden fehlen 61 − 35 = 26 m² Absorption, also 26 ÷ 0,9 ≈ 29 m² Paneelfläche. Die Faustformel mit ihren 30 m² trifft diesen Wert fast exakt – bei Teppichboden funktioniert sie. Zweitens: Für die DIN 18041 Raumgruppe B4 mit 0,7 Sekunden fehlen 69 − 35 = 34 m² Absorption, also 34 ÷ 0,9 ≈ 38 m² Paneelfläche. Das sind rund 25 Prozent mehr als die Faustformel – der Unterschied zwischen „erfüllt die Vorschrift“ und „fühlt sich gut an“.
Wir empfehlen in Großraumbüros mit viel Telefonie den DIN-Wert. In Stückzahlen und Formaten der QP PAD 50 Paneele sieht das so aus:
Variante A – zwei Formate (empfohlen): 8 × Deckenpaneel 2480 × 1250 mm = 24,8 m² plus 18 × Wandpaneel 1240 × 625 mm = 13,95 m². Gesamt 38,75 m², rechnerische Nachhallzeit nachher ≈ 0,70 s.

Variante B – ein Format: 50 × Paneel 1240 × 625 mm = 38,75 m², frei auf Decke und Wand verteilt. Gleiche Wirkung, mehr Befestigungspunkte und Montagezeit, höherer Preis pro Quadratmeter.

Variante C – Baffeln statt Deckenpaneele: Weil Baffeln von beiden Seiten absorbieren, liefern sie pro Quadratmeter Material grob das Anderthalbfache an Absorption. Statt 24,8 m² Deckenpaneelen genügen dann etwa 16 bis 17 m² Baffelfläche, also rund 27 Baffeln mit 2480 × 250 mm – interessant ab 3,5 m Raumhöhe oder wenn Lüftung und Sprinkler die Decke belegen.

Was diese Varianten kosten, rechnet der Beitrag Was kosten Akustikpaneele pro Quadratmeter im Büro? am selben Büro durch.
Schritt 4: Wie verteilst du die Paneele im Raum?
Die Menge ist nur die halbe Planung. Dieselben 38 m² wirken deutlich besser, wenn sie dort hängen, wo gesprochen wird:
- Decke über den drei Arbeitsplatzgruppen: je 2 bis 3 der großen Deckenpaneele direkt über den Tischblöcken, nicht gleichmäßig über den Raum verstreut. Das sind rund 25 Prozent der Deckenfläche – mehr ist akustisch nicht nötig.
- Stirnwand gegenüber der Glasfassade: 12 Wandpaneele in Sprechhöhe zwischen 1,0 und 2,0 m. Sie unterbrechen die Reflexion zwischen Glas und Wand, die sonst als Flatterecho durch den Raum läuft.
- Telefonzone und Teeküche: die übrigen 6 Wandpaneele dort, wo die lautesten Quellen sitzen.
- Optional, nicht in der Rechnung: QP WALL 25 Trennwände zwischen den drei Gruppen. Sie unterbrechen den Direktschall von Tisch zu Tisch und bringen zusätzliche Absorption – ein Bonus, mit dem der Raum rechnerisch unter 0,65 Sekunden landet.
Die Glasfassade selbst bleibt unbehandelt; das ist in fast allen Projekten so und kein Problem, solange die gegenüberliegende Wand absorbiert.
Was sagen unsere realen Projekte?
Die Rechnung oben ist Theorie nach Norm. Interessanter ist, ob sie mit dem übereinstimmt, was wir tatsächlich in Büros verbaut haben. Wir haben drei kleinere Büroprojekte mit rund 25 bis 42 m² Raumfläche aus unseren Referenzen mit der Faustformel und der Auslegung verglichen.
Die Faustformel liefert den Mindestbedarf für eine Nachhallzeit von rund 0,8 Sekunden – das hat sich auch in unseren Projekten bestätigt. Für ein spürbar ruhiges Büro legen wir auf eine kürzere Nachhallzeit aus; dafür wurde in unseren Projekten deutlich mehr Fläche verbaut, als die Faustformel ergibt. Die Faustformel ist damit ein verlässlicher Startpunkt für das Budget; für die Bestellung zählen Bodenbelag, Verglasung und Raumhöhe – und die lassen sich in fünf Minuten abfragen.
Wann brauchst du mehr, wann weniger?
Aus der Rechnung und den Projekten lässt sich ableiten, wann du von den 38 m² abweichen solltest:
- Mehr (plus 20 bis 40 Prozent): Hartboden statt Teppich; zwei verglaste Seiten; Raumhöhe über 3,2 m; Callcenter-Nutzung oder dauerhafte Telefonie an allen Plätzen; Räume mit viel Publikumsverkehr.
- Weniger (minus 10 bis 20 Prozent): viele Polstermöbel, Sofas, Vorhänge oder offene Regale mit Ordnern; eine bereits teilweise absorbierende Decke; hohe Belegungsdichte mit vielen Personen; reine Stillarbeit ohne Telefonie.
- Anders verteilt: Steht die Decke nicht zur Verfügung, wandert der Deckenanteil auf Wände und freistehende Trennwände. Die Gesamtfläche bleibt gleich, die Platzierung wird wichtiger.
Der Unterschied zwischen Schallabsorption – worum es hier geht – und Schalldämmung gegen Lärm aus dem Nachbarraum ist übrigens ein eigenes Thema; wer den Nachbarn hört, braucht eine andere Lösung. Mehr dazu im Beitrag Schallabsorption vs. Schalldämmung.
Fazit: 30 m² für die Pflicht, 38 m² für die Kür
Ein 100-m²-Großraumbüro mit 3 m Raumhöhe braucht rund 30 m² Akustikpaneele, um die ASR A3.7 zu erfüllen, und etwa 38 m², um die DIN 18041 für Großraumbüros zu erreichen – bei Teppichboden, Absorberklasse A und sinnvoller Verteilung auf Decke und Wand. Die Faustformel bringt dich auf die richtige Größenordnung, die Sabine-Rechnung auf die richtige Stückliste. Wenn du die Rechnung für deinen Raum nicht selbst machen willst: Schick uns Maße, Bodenbelag und ein paar Fotos – du erhältst innerhalb von 1 bis 2 Stunden eine Auslegung mit Stückzahlen und Angebot. Für Standardräume findest du vorkonfigurierte Lösungen in unseren Akustik-Paketen. Alle weiteren Fragen rund um Normen, Maßnahmen und Kosten beantwortet der Ratgeber Raumakustik im Büro.
Häufige Fragen zur Anzahl der Akustikpaneele im Großraumbüro
Wie viele Akustikpaneele braucht ein Großraumbüro mit 100 m²?
Ein Großraumbüro mit 100 m² Fläche und 3 m Raumhöhe braucht nach der Faustformel rund 30 m² Akustikpaneele, nach einer Auslegung gemäß DIN 18041 (Raumgruppe B4) etwa 38 m². Das entspricht zum Beispiel 8 Deckenpaneelen mit 2480 × 1250 mm plus 18 Wandpaneelen mit 1240 × 625 mm – oder rund 50 Wandpaneelen im Format 1240 × 625 mm, wenn nur ein Format verwendet wird. Voraussetzung ist ein Schallabsorptionsgrad von αw 0,9.
Wie berechne ich die benötigte Absorberfläche nach DIN 18041?
Für Büros (Raumgruppe B) fordert die DIN 18041 ein Mindestverhältnis von äquivalenter Absorptionsfläche A zu Raumvolumen V. Für Großraumbüros (B4) liegt es bei 0,25 m²/m³ für Raumhöhen bis 2,5 m und sinkt mit steigender Höhe leicht, bei 3 m auf etwa 0,23 m²/m³. Du multiplizierst das Raumvolumen mit diesem Wert, ziehst die bereits vorhandene Absorption aus Teppich, Möbeln und Personen ab und teilst den Fehlbetrag durch den Schallabsorptionsgrad der Paneele. Das Ergebnis ist die benötigte Paneelfläche in Quadratmetern.
Wie viel Prozent der Decke sollte mit Akustikpaneelen belegt sein?
In Großraumbüros mit normaler Raumhöhe reicht in der Regel eine Belegung von 25 bis 40 Prozent der Deckenfläche, wenn die Paneele direkt über den Arbeitsplatzgruppen liegen und die Wände ergänzend behandelt werden. Im Rechenbeispiel für 100 m² sind es 24,8 m² Deckenpaneele, also rund 25 Prozent. Eine vollflächige Akustikdecke ist akustisch nicht nötig und kostet ein Vielfaches.
Reicht die Faustformel Raumvolumen geteilt durch 10?
Die Faustformel Raumlänge × Raumtiefe × Raumhöhe ÷ 10 liefert eine gute erste Größenordnung und trifft in Büros mit Teppichboden und normaler Möblierung den Wert der ASR A3.7 von 0,8 Sekunden meist recht genau. Für die strengere Auslegung nach DIN 18041 Raumgruppe B4, bei Hartböden, Glasfassaden oder Raumhöhen über 3 m liegt der tatsächliche Bedarf 20 bis 30 Prozent höher. Für die Budgetplanung ist sie ausreichend, für die Bestellung sollte nachgerechnet werden.
Wie viele Akustikpaneele brauche ich pro Arbeitsplatz?
Als Praxiswert aus der Auslegung nach DIN 18041 ergeben sich für Großraumbüros etwa 3 m² Paneelfläche pro Arbeitsplatz bei 3 m Raumhöhe – im Rechenbeispiel 38 m² für zwölf Arbeitsplätze. Bei dichter Belegung sinkt der Wert pro Arbeitsplatz, weil der Raum selbst nicht größer wird; bei großzügigen Flächen mit wenigen Personen steigt er. Entscheidend ist immer das Raumvolumen, nicht die Zahl der Schreibtische.
Was passiert, wenn ich zu wenige Paneele montiere?
Die Nachhallzeit sinkt dann zwar, bleibt aber über dem Zielwert – der Raum ist spürbar besser, aber nicht gut. Typisch ist ein Ergebnis um 1,0 Sekunden statt 0,7, bei dem Telefonate weiterhin durch den Raum tragen. Weil sich Absorption addiert, lässt sich jederzeit nachrüsten; wirtschaftlicher ist es aber, die benötigte Fläche gleich korrekt auszulegen und mit großen Deckenformaten zu beginnen.

















